|
Samstag, 17. September 2005
Aufbruch ins Abenteuer
Die Stadt ist grau und wolkenverhangen, ein kalter Wind treibt immer wieder Regenschauer über den Bahnhofsvorplatz. Die Verabschiedung findet deshalb improvisiert unter dem Bahnhofsvordach statt. Trotz des schlechten Wetters sind Frau Stadträtin Mag. Sonja Wehsely, Mobilkom-Sprecherin Mag. Elisabeth Mathes und DI Dr. Gerald Hillinger gekommen um den jungen Friedens-SeglerInnen eine gute Reise zu wünschen. Pünktlich um 8 Uhr fährt der Buskonvoi in Richtung Südautobahn ab. Begleitet wird er dabei von einer Motorradeskorte der Toy Run-Biker, die in Zusammenarbeit mit der Wiener Polizei für eine reibungslose und sichere Ausfahrt aus der Stadt sorgen.
Die lange Fahrt geht trotz Regen und Nebel sicher zu Ende: um 7 Uhr am Abend erreichen die meisten Kinder ihre Schiffe in den Häfen von Zadar bis Split. Staunend wird das Innere des Bootes besichtigt, das für die nächsten Tage zugleich Wohnung und Transportmittel für die bunt gemischten Crews sein wird. Nach einem improvisierten Abendessen fallen die Kinder in die Kojen. Sachtes Schaukeln wiegt sie in den Schlaf.
Sonntag, 18. September 2005
Sturmwarnung
Nach einer Nacht mit Gewittern und strömendem Regen entschließt sich die Flottenleitung wegen einer Bora-Sturmwarnung zur Absage des ersten Treffpunktes auf der Insel Zut und empfiehlt per Funk allen Schiffen, den ganzen Sonntag im Hafen liegen zu bleiben.
Zum GlĂĽck haben die Crews fĂĽr Schlechtwetter vorgesorgt: manche brechen zur Stadtbesichtigung nach Zadar auf, manche laden andere Crews, die im gleichen Hafen liegen, zu Besuchen ein.
Auf der „Wotan“ in Sukosan findet eine Gummibären-Rallye statt. Am Abend bessert sich die Stimmung in den Häfen: für den Montag ist Wetterbesserung vorausgesagt.
Montag, 19. September 2005
Segel setzen
Endlich können die Schiffe der mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005 Segel setzen. Die Sonne setzt sich langsam durch und zaubert Freude auf die Gesichter.
Das Abenteuer kann beginnen!
Aus zahlreichen Häfen entlang der dalmatinischen Küste laufen Schiffe unter der von weitem sichtbaren mirno more-Flagge aus. Weiße Segel, guter Wind und schöne Schräglage – für viele Kinder und Jugendliche sind das neue und unvergessliche Eindrücke. Aufgeregt werden unterwegs immer neue Flottenschiffe entdeckt. Alle streben in den Raum Sibenik, dort teilt sich die Flotte auf verschiedene kleine Häfen auf.
mirno more leben
In Skradin am Flusslauf der Krka und auf der kleinen Insel Zlarin vor Sibenik treffen die meisten Flottenschiffe ein. Immer wieder gibt es herzliche BegrĂĽĂźungen.
Auf den Molen und Stegen beginnt ein buntes Treiben: Trommeln, Flaggen bemalen, Schminken, Singen und andere Aktivitäten sind Möglichkeiten zum Kennenlernen.
Das schon legendäre „mirno more flottenfeeling“ kommt auf, eine unvergleichlich schöne Stimmung: die Friedensflaggen wehen in der Abendsonne, alle sind fröhlich und zufrieden, überall wird gesungen und gelacht.
Im Bewusstsein, dass hier etwas ganz Besonderes passiert, wird vieles möglich, was im „normalen“ Alltag nie passieren könnte. Die Herzen sind frei und offen und der Zugang zu „Anderen“ und „Fremden“ wird ganz leicht.
Eine spontan entstandene Gemeinschaft trägt alle mit, auch wenn sie im Rollstuhl sitzen oder nicht deutlich reden können, oder auch, wenn man ihre Sprache nicht versteht.
Dienstag, 20. September 2005
Die groĂźe Flotte
Am Dienstag Nachmittag sind erstmals alle Schiffe der mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005 in einem Hafen vereint. Die kleine Ortschaft Vodice bei Sibenik erwartet die über 500 TeilnehmerInnen mit einem herausgeputzten Hauptplatz, einer sauberen Marina und einem kleinen Stadthafen, der den größeren Schiffen der Flotte Platz bietet.
Nach dem Eintreffen der letzten Schiffe platzt die Marina aus allen Nähten und das bunte Treiben erstaunt die Einheimischen – in der Ruhe der Nachsaison fällt die Friedensflotte besonders auf.
Wieder gibt es für die Kinder einige Aktivitäten.
Nach dem Abendessen auf den Schiffen kommt der erste Höhepunkt der Projektwoche: der gemeinsame Besuch in der Disco. Diese liegt im ersten Stock eines Gebäudes direkt am Hafen und hat extra für mirno more geöffnet.
DJ Davor legt gekonnt auf und schon bald wird heftig getanzt. Die BetreuerInnen unterhalten sich inzwischen auf der Terasse mit Blick auf die vielen Schiffe mit den Friedensflaggen.
Das Mirno More Safety Team – bestehend aus Mitgliedern der Wiener Feuerwehrjugend und des Katastrophenhilfsdienstes Wien sorgt für den sicheren Transport der Rollstühle in den ersten Stock, sodass auch wirklich alle an der tollen Stimmung teilhaben können.
Mittwoch, 21. September 2005
Der schönste Tag
Heute ist Weltfriedenstag und zugleich – angeblich gibt es ja keine Zufälle! – der Höhepunkt der mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005.
TagsĂĽber gibt es ein umfangreiches Programmangebot mit Spielen und integrativen Wettbewerben, beides organisiert von der BAKIP Oberwart unter Mithilfe der mirno more-Helfercrew.
Außerdem findet eine Regatta sowie eine Schauübung der Wiener Wasserrettung statt. Als besonderes Highlight hat das Safety-Team ein Banana-Boot-Fahren organisiert: bei diesem werden die Kinder – auf der aufgeblasenen Riesenbanane sitzend - mit atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser gezogen. Sie können davon gar nicht genug bekommen.
Am Nachmittag wird der Hauptplatz am Stadthafen festlich geschmĂĽckt: das groĂźe Fest der Flotte steht bevor!
„Danke, Vodice!“ steht in mehreren Sprachen auf den Transparenten, denn die Stadtverwaltung hat die Veranstaltung tatkräftig unterstützt. Das große Mirno More-Zeichen wird hinter der Bühne auf den Palmen montiert, und die kleinen Fischerhäuser und Restaurants rund um den Hauptplatz tragen plötzlich die Namen von so manchen Sponsorfirmen.
Kurz vor 19.00 Uhr versammeln sich dann alle TeilnehmerInnen der mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005 am Festplatz. Die Eröffnung startet mit einem Tamburizza-Orchester in klassisch-eleganten schwarzen Kostümen. Die ganz Flotte hört fasziniert zu. Ein Schauspiel, das einzigartig ist: die Flottenkinder und –jugendlichen sitzen und stehen im Kreis um die steinerne Bühne herum, dahinter die Erwachsenen und zahlreiche schaulustige Einheimische, rundherum die Mirno More-Flaggen und die Schiffe im Hintergrund – ein toller Auftakt für das Fest.
„Herzlich Willkommen“ und volles Programm
In einer kurzen und herzlichen Ansprache begrüßt der stellvertretende Bürgermeister Darko Vlahov die TeilnehmerInnen der Flotte. Er erinnert daran, dass mirno more bereits einmal – 1997 – in Vodice war, damals mit 7 Schiffen, und freut sich, dass die Flotte nun in so beeindruckender Größe wiedergekommen ist.
Gleich nach der Eröffnungsansprache startet das Programm, das die Kinder und Jugendlichen der Flotte selbst gestaltet haben.
Mit viel Einsatz und Mühe sind dabei sehenswerte Beiträge entstanden: ein cooler mirno more-Rap, verschiedene Lieder, der Auftritt eines Glücksdrachens (verkleidete Menschenschlange) und schließlich „Svi Zajedno“, ein Lied, das von Jugendlichen aus den verschiedenen am ehemaligen Jugoslawienkrieg beteiligten Völkern gemeinsam vorgetragen wird.
Die einzelnen Festbeiträge werden jeweils mit stürmischem Applaus bedacht. Alle Beteiligten sind beeindruckt von der Bandbreite und der Tiefe der Darbietungen. Die meisten Beiträge haben direkt mit den eigentlichen Themen von Mirno More zu tun: Toleranz, friedliche Konfliktlösung, Freundschaft über alle Grenzen. Die Kinder und Jugendlichen, die bei dieser Gelegenheit auftreten konnten, sind mit Recht stolz auf ihre Leistung und freuen sich dass sie einen Beitrag zum tollen Gelingen des Festes geleistet haben.
Die Friedensflotte tanzt
Unmittelbar nach dem Ende des Festprogrammes betreten die TexMex aus Sibenik die BĂĽhne und legen los: nach wenigen Minuten tanzt der ganze Hauptplatz und die Stimmung wird ausgelassen.
Die Musik ist populär mit starkem Latin-Percussion-Einschlag was Gelegenheit für zahlreiche „Gastauftritte“ von Trommlern aus der Flotte bietet.
Unter die Tanzenden mischen sich auch zahlreiche Einheimische und Touristen. In dieser Phase ab ca. 21.00 Uhr ist das Fest am besten besucht.
Die internationale und fröhliche Atmosphäre hat das „offizielle Vodice“ erfasst: der Festplatz ist mit seinem großen Antikriegsdenkmal und der neu gestalteten Marmor-Arena sozusagen die Visitenkarte des kleinen Städtchens und das mirno more-Fest passt wunderbar in dieses Ambiente.
Wir wollen alle Hände sehen
Kurz vor 22.00 Uhr kommen dann auch die AnhängerInnen einer etwas härteren musikalischen Gangart voll auf ihre Rechnung. Die erfolgreichste österreichische HipHop-Formation „Texta“ aus Linz betritt die Bühne – gemeinsam mit ihren kroatischen Kollegen „OneIIMany“ aus Sibenik ziehen die Linzer eine Show ab die alle Stückeln spielt. Die jungen Breakdancer aus der Flotte überschlagen sich vor Begeisterung – im wahrsten Sinne des Wortes!
Das groĂźe Finale
Am Ende des Open Air Konzertes steht ein gemeinsamer Auftritt aller Musiker, der noch durch alle verfügbaren Trommler aus der Flotte verstärkt wird. Zehn Minuten nach dem offiziell vereinbarten Ende der Veranstaltung werden die Mienen der bisher im Hintergrund agierenden Polizisten dienstlich und sie fordern freundlich, aber bestimmt dazu auf allen Festgästen „Gute Nacht“ zu sagen: immerhin ist es inzwischen fast Halb Zwölf geworden. Müde und Glücklich machen sich die verbliebenen Gäste auf den Weg zu ihren Schiffen während das Organisationsteam den Platz reinigt und den Abend in einigen Gesprächsrunden ausklingen lässt.
Es besteht kein Zweifel darĂĽber dass das Fest ein groĂźer erfolg geworden ist.
Donnerstag, 22. September 2005
Die Friedensflotte unter Segel
In der Früh folgt schon das nächste Highlight: die gemeinsame Formationsfahrt aller Schiffe!
Das Ablegen klappt nach eingehendem Briefing der Skipper reibungslos. Die Führungsschiffe gehen eine halbe Seemeile vor dem Hafen in Position und alle weiteren Schiffe reihen sich dahinter auf. Nach einer Securite-Durchsage am Seefunk-Anrufkanal nimmt die Formation zunächst unter Maschine langsam Fahrt auf, um dann wenig später gemeinsam die Segel zu setzen.
Die Kinder – und auch so manche Erwachsene - sind sprachlos: erst jetzt wird tatsächlich deutlich, welche Dimension dieses Projekt erreicht hat.
Vor jener Festung, die an der Einfahrt nach Sibenik steht werden alle Schiffe, die Richtung Süden oder in den Krka-Fluss fahren wollen per Funk verabschiedet. Die Formation löst sich auf und die Flotte strebt sternförmig auseinander – die gemeinsame Zeit ist zu Ende.
Die mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005 geht allerdings noch volle zwei Tage weiter – ein großer teil der Schiffe erreicht am Nachmittag bei schönstem Wetter die malerische Insel Zut und legt in der dortigen ACI-Marina an.
Ausklang
Die Schönheit der Natur am letzten Anlegeplatz der Flotte ist überwältigend: glasklares Wasser, Föhrenwald, kahle Felseninseln rundherum….und dazwischen die bunte und lebendige Friedensflotte mit all dem Kinderlachen und der Freude – hier ist allen, die viel Arbeit und Einsatz in das Projekt gesteckt haben klar, dass sich die Mühe gelohnt hat.
Als der Mond aufgeht und die Flotte langsam einschläft finden sich so manche Gesprächsrunden auf den Schiffen: schon wird über die nächste Friedensflotte gesprochen.
Freitag, 23. September 2005
Schließlich fährt die Speed-Banane ihre letzten Runden, während sich ein Schiff nach dem anderen verabschiedet. So schnell ist die Zeit vergangen….
Ein wenig traurig verläuft der letzte Segelschlag in den Heimathafen der Schiffe. Schon beginnt das Packen – und die zahlreichen Verabschiedungen von den neu gewonnenen Freunden.
Die letzte Nacht am Schiff ist für viele mit ein wenig Wehmut verbunden: werden sie jemals wieder eine so schöne Woche erleben können?
Samstag, 24. September 2005
Heimreise
Früh am Morgen setzt die Rückreise ein.Ein großer Teil der Crews fährt mit dem Konvoi ab Zadar, viele weitere sind alleine unterwegs, was an zahlreichen Mautstellen und Rasthäusern immer wieder zu neuen zufälligen Begegnungen führt.Der Konvoi erreicht den Zielort Wien Westbahnhof gegen 20.00 Uhr.Zu diesem Zeitpunkt steht auch schon fest dass die meisten TeilnehmerInnen glücklich und gesund zu Hause angekommen sind.ResumeNach den ersten Rückmeldungen steht schon jetzt fest, dass die mobilkom austria friedensflotte mirno more 2005 nicht nur die bisher größte Aktion dieser Art gewesen ist, sonder dass sie auch in den Herzen der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen unvergessliche Eindrücke hinterlassen hat.Wir sind so verschieden, aber wir können trotzdem Freunde sein – diese Botschaft werden alle verbreiten, die dabei waren.
> mehr Fotos
|